Hausgottesdienst zum 5. Fastensonntag

LIED Herr, ich bin dein Eigentum – GL 435

1. Herr, ich bin dein Eigentum,
dein ist ja mein Leben,
mir zum Heil und dir zum Ruhm
hast du mir’s gegeben.
Väterlich führst du mich
auf des Lebens Wegen
meinem Ziel entgegen.

2. Deine Treue wanket nicht,
du wirst mein gedenken,
wirst mein Herz in deinem Licht
durch die Zeit hin lenken.
So weiß ich, du hast mich
in die Hand geschrieben,
ewig mich zu lieben.

ERÖFFNUNG

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

KYRIE

Herr Jesus Christus, du Sieger über Sünde und Tod.

Du Herr über alles, was lebt und atmet.

Du Retter aus Not und Verzweiflung.

TAGESGEBET

Herr, unser Gott, dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt dem Tod überliefert. Lass uns in seiner Liebe bleiben und mit deiner Gnade aus ihr leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

ERSTE LESUNG Ez 37, 12b-14

Lesung aus dem Buch Ezechiel

12bSo spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel.

13Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.

14Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus - Spruch des Herrn.

ANTWORTPSALM Ps 130 (129), 1-2.3-4.5-6b.6c-7a u. 8

1 Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir:

Herr, höre meine Stimme!

2 Wende dein Ohr mir zu,

achte auf mein lautes Flehen!

3 Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,

Herr, wer könnte bestehen?

4 Doch bei dir ist Vergebung,

damit man in Ehrfurcht dir dient.

5 Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,

ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.

6ab Meine Seele wartet auf den Herrn

mehr als die Wächter auf den Morgen.

6c Mehr als die Wächter auf den Morgen

7a soll Israel harren auf den Herrn.

8 Ja, er wird Israel erlösen

von all seinen Sünden.

ZWEITE LESUNG Röm 8, 8-11

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

Schwestern und Brüder!

8Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen.

9Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm.

10Wenn Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit.

11Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.

EVANGELIUM Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

3sandten die Schwestern des Lazarus Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank.

4Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.

5Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.

6Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.

7Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

17Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.

20Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.

21Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

22Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

23Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

24Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.

25Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,

26und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

27Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

33bJesus war im Innersten erregt und erschüttert.

34Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!

35Da weinte Jesus.

36Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!

37Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?

38Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

39Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.

40Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?

41Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.

42Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.

43Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!

44Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!

45Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

GEDANKEN ZUM EVANGELIUM

SrBr: Wussten Sie schon? 184 Millionen Tränen werden in Deutschland tagtäglich geweint. Das sind 40 Badewannen, die vollgefüllt sind mit Tränen. So will es zumindest eine Studie festgestellt haben.

Und das kann ich mir schon vorstellen, dass das stimmt: Es gibt nämlich viele Gründe, warum Menschen weinen: So sind sie eine Schutzmaßnahme für das Auge; Fremdkörper und Schmutz werden durch sie aus dem Auge herausgewaschen.

Ferner sind sie Ausdruck von Trauer und Schmerz. Das wird wohl auch derzeit in der Corona-Krise ein Grund für so manche Träne sein. Andere wiederum weinen vor Rührung und Freude. Dann gibt es aber auch Krokodilstränen und Tränen, die herausgedrückt werden, um eine gespielte Anteilnahme vorzugaukeln.

Wie auch immer: Tränen gibt es viel auf dieser Welt. Und genauso viele Gründe gibt es zu weinen.

Jesus weint im heutigen Evangelium auch. Doch warum? Warum weint er? Es scheint viele Gründe zu geben, warum Er weint:

Vielleicht weint er um seinen guten Freund Lazarus, den er durch eine schreckliche Krankheit – wohl viel zu früh und unerwartet – an den Tod verloren hat. Ja: Vielleicht weint er um den toten Lazarus.

Vielleicht weint er aber auch, weil ihm die Schwestern des Lazarus, Maria und Martha, so leidtun.

Womöglich weint er aber auch, weil viele gläubige Juden ihn nicht als Sohn Gottes erkannten, ihn vielmehr ablehnten und verspotteten.

Oder er weint, weil er weiß, was er Lazarus antun wird, damit der Sohn Gottes verherrlicht wird – wie er zu seinen Jüngern sagt. Möglicherweise weint er, weil er weiß, was er Lazarus antut, wenn er ihn von den Toten in diese Welt zurückholt: Nachdem Lazarus nämlich das Schlimme dieser Welt überstanden, sogar den Tod durchgestanden hat, muss er wieder zurück und alles noch einmal durchmachen: Leid, Tod, Sorgen und Probleme, nur damit alle Menschen erkenne, wer Jesus ist.

Jesus weint. Doch warum? Es gibt viele Gründe. Wir wissen es nicht, warum er damals geweint hat. Ich glaube nur fest daran, dass er auch heute noch aus all diesen Gründen weint:

Er weint um Menschen, die durch Krankheit, Schicksal oder Unfall diese Welt verlassen müssen: die viel zu früh, nach langem Leid oder in einem schönen Alter friedlich sterben.

Er weint auch mit Menschen, die um andere trauern.

Er weint um alle, die ihn nicht erkennen, die nicht an ihn glauben.

Und er weint um alle Menschen, die wie Lazarus viel durchmachen, damit der Glaube an ihn in der Welt verbreitet wird.

Und er weint nicht zuletzt über das Leid derjenigen, die von der derzeitigen Krise am meisten betroffen sind.

Jesus weint – auch heute noch. Und damit zeigt er nicht seine Ohnmacht, wie ein Heulsuse, wie ein Schwächling. Im Gegenteil: Auf diese Weise hilft er.

Er zeigt so, dass er uns Menschen in unseren Sorgen und Problemen versteht, dass er ganz menschlich mit uns fühlt, dass er mit uns leidet und uns in schlimmen Situationen nicht allein lässt.

Er ist dann verstehend, mitfühlend, mitleidend an unserer Seite. Das löst zwar unser Corona-Problem nicht, beendet nicht die Krankheit, bringt unsere lieben Verstorbenen nicht zurück, aber es ändert alles: Wir sind nicht allein. ER, der große, allmächtige Herr ist bei uns. Er steht das alles mit uns durch.

So hilft er uns. Das ist in meinen Augen die Botschaft der Lazarusgeschichte. Denn das sagt der Name Lazarus. Lazarus heißt übersetzt: Gott hilft.

SrBr: Gott hilft uns, indem er mit und um uns weint. Vielleicht lassen wir uns von ihm anregen, auch zu helfen. Selbst wenn es in unserer Gesellschaft verpönt ist, maximal Frauen zugestanden wird, aber niemals Männern. Vielleicht lassen wir uns von Jesus anregen, auch zu weinen.

Das kann anderen helfen. So merken sie: Der fühlt mit mir, der leidet mit mir, der versteht mich. Und so werden wir Jesus ein Stück ähnlicher. Amen.

GLAUBENSBEKENNTNIS

FÜRBITTEN

Guter Gott, dein Sohn ist für uns Mensch geworden und geht alle unsere Wege mit.
Wir bitten dich:

  • Für alle Menschen, die sich derzeit mühen, ihr Leben neu zu organisieren: Schenke ihnen Durchhaltevermögen und Kreativität.
  • Für alle, die Angst vor der Zukunft bekommen haben:
    Schenke ihnen Menschen, die ihnen zuhören und bei der Verarbeitung ihrer Angst helfen.
  • Für alle, die jetzt in besonderer Weise für das Wohl der Allgemeinheit arbeiten: Schenke ihnen alle Kraft, die sie brauchen, und Zeiten, in denen sie ausruhen können.
  • Für die Länder, die besonders schwer von der Ausbreitung des Corona-Virus betroffen sind: Schenke ihnen Zusammenhalt und Hoffnung.
  • Für alle Kranken und alle, die in Quarantäne leben:
    Schenke ihnen die Gewissheit, dass du bei ihnen bist, und sie führst und trägst.
  • Für alle Verstorben: Schenke ihnen das Licht des ewigen Lebens und die Freude, dich zu schauen, wie du bist.

Unsere Fürbitten fassen wir zusammen und bekräftigen wir, in dem wir das Gebet des Herrn sprechen:

VATER UNSER

SCHLUSSGEBET

Gott, du bist barmherzig und treu, ein guter Hirte.
Du kennst die Wege, die wir gegangen sind, auch die, über die wir nicht reden.
Du kennst auch die Strecken, die vor uns liegen, unser Erwartung, unsere Sorge.
Dir vertrauen wir uns an.
Wenn wir uns in Tiefen verlieren, führe uns,
wenn wir an Höhepunkten übermütig werden, bewahre uns,
wenn Durststrecken vor uns liegen, richte uns auf.
Darum bitten wir, durch Christus, unseren Herrn.

SEGENSBITTE

Der Herr segne und behüte uns, der Herr lass sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig; er wende uns sein Antlitz zu und schenke uns seinen Frieden!

LIED Wer unterm Schutz des Höchsten steht (GL 424)

1) Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht, wer auf die Hand des Vaters schaut, sich seiner Obhut anvertraut, der spricht zum Herrn voll Zuversicht: Du meine Hoffnung und mein Licht, mein Hort, mein lieber Herr und Gott, dem ich will trauen in der Not.

2) Er weiß, dass Gottes Hand ihn hält, wo immer ihn Gefahr umstellt;
kein Unheil, das im Finstern schleicht, kein nächtlich Grauen ihn erreicht. Denn seinen Engeln Gott befahl, zu hüten seine Wege all,
dass nicht sein Fuß an einen Stein anstoße und verletzt mög sein.

3) Denn dies hat Gott uns zugesagt: Wer an mich glaubt, sei unverzagt,
weil jeder meinen Schutz erfährt; und wer mich anruft, wird erhört.
Ich will mich zeigen als sei Gott, ich bin ihm nah in jeder Not;
des Lebens Fülle ist sein Teil, und schauen wird er einst mein Heil.

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Zusammengestellt von Kaplan Thomas Meier, Eggenfelden

Schrifttexte aus: https://erzabtei-beuron.de/schott

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